Ein persönlicher Hinweis von Josua Schütz
Die Auszeiten im Amazonas waren für mich eine prägende und wunderschöne Zeit, die inzwischen ihren Abschluss gefunden hat. Heute konzentriere ich mich vollständig auf mein Bildungsprojekt Schule mit KI und begleite Lehrpersonen auf ihrem Weg in die Welt der Künstlichen Intelligenz.
Im Sommer 2009 zeigte ich meinem Vater erstmals den peruanischen Urwald. Einer der eindrücklichsten Orte dieser Reise war das Urwalddorf Tamshiyacu. Genau diesem besonderen Ort ist dieser Film gewidmet.
Tamshiyacu steht sinnbildlich für eine Auszeit im Amazonasurwald, fernab von Hektik, Zeitdruck und westlicher Rastlosigkeit.
Tamshiyacu liegt rund 30 Kilometer flussaufwärts von Iquitos und ist mit dem Schnellboot in kurzer Zeit erreichbar. Das Dorf zählt etwa 7.000 Einwohner. Die Menschen leben hier hauptsächlich von Fischerei und Landwirtschaft.
In der Umgebung wachsen Bananen, Ananas und Kakaopflanzen. Der Amazonasurwald rund um Tamshiyacu ist zudem reich an Medizinalpflanzen und Heilbäumen, deren Wissen seit Generationen weitergegeben wird.
Heute wird Tamshiyacu von unterschiedlichen Gästen besucht. Einige reisen gezielt an, um an Ayahuasca-Zeremonien teilzunehmen, andere suchen Hilfe bei chronischen Beschwerden durch traditionelle Heiler mit tief verwurzeltem Pflanzenwissen.
Viele Besucher kommen jedoch einfach wegen der Schönheit des Amazonas, der Faszination des grössten Flusssystems der Welt – und für eine bewusste Auszeit im Amazonasurwald, um zur Ruhe zu kommen.
Das Leben in Tamshiyacu folgt einem ganz eigenen Rhythmus. Es gibt kaum Hektik, keinen Leistungsdruck und wenig motorisierten Verkehr.
Im Zentrum des Dorfes findet täglich der Fischmarkt statt, wo der Fang oft noch lebendig verkauft wird. Die Dorfgemeinschaft ist offen, tolerant und geprägt von gegenseitiger Unterstützung. Es existieren mehrere christliche Glaubensrichtungen, die friedlich nebeneinander leben.
In Tamshiyacu gibt es zahlreiche kleine Läden, in denen das Nötigste erhältlich ist – vorausgesetzt, man hat keine hohen Ansprüche.
In fast jeder Strasse finden sich kleine privat geführte Mini-Shops, oft von Frauen betrieben, um das Einkommen der Familien zu ergänzen. Diese Einfachheit gehört bewusst zur Auszeit im Amazonasurwald dazu.
Kinder, Jugendliche und auch ältere Dorfbewohner sind sportlich aktiv. Fussball und Volleyball prägen den Alltag, besonders am Abend.
Dann sind die Strassen belebt, es wird gespielt, gelacht und zugeschaut. Begegnungen entstehen spontan – auch mit Gästen von ausserhalb. Die Offenheit der Menschen in Tamshiyacu ist spürbar und ehrlich.
Selbst der Friedhof unterscheidet sich stark von dem, was wir aus Europa kennen. Er spiegelt den natürlichen Umgang mit Leben, Tod und Vergänglichkeit wider – eingebettet in den Kreislauf des Amazonasurwalds.
Der Amazonasurwald ist gesetzlich geschützt und darf nicht gerodet werden. Dennoch gibt es immer wieder Firmen, die diese Regeln missachten.
Auch in der Region rund um Tamshiyacu existieren Plantagen, deren Rohstoffe über Zwischenhändler bis nach Europa gelangen – unter anderem in die Schweizer Schokoladenproduktion.
Tamshiyacu zeigt, wie ein Leben ohne permanente Beschleunigung aussehen kann. Wer sich auf diesen Ort einlässt, erlebt eine Auszeit im Amazonasurwald, die weit über Erholung hinausgeht:
Sie verändert Perspektiven, schärft den Blick für das Wesentliche und hinterlässt tiefe Eindrücke.
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